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Eine Reise im Rollstuhl – geht das überhaupt, ist das möglich? Für mich als Mensch mit großer Reiselust stellte sich irgendwann die Frage, wie verwirkliche ich jetzt meine Reiseträume trotz MS und mittlerweile massiven Gehbeschwerden? Nach der ersten Euphorie kam der Gedanke – wie soll das ablaufen, wohin willst Du allein reisen und auch noch ohne Begleitung?

Durch eine Broschüre des BSK-Behindertenverbandes wurde ich auf verschiedene Spezial-Reiseveranstalter aufmerksam, die diverse Reisen für Menschen mit Handikap anboten. Da ich von einem dieser Unternehmen Grabowski-Tours schon mehrmals in Zeitungen deren Werbelogo gesehen hatte, rief ich dort an und ließ mir Unterlagen und evtl. Bedingungen für die Teilnahme an einer solchen Reise zusenden.

Das Unternehmen Grabowski-Tours in Rheinland-Pfalz hatte selbst in der Familie einen schweren Schicksalsschlag erlitten. Der ältere Bruder von Grabowski war durch einen Autounfall schwer behindert und saß mit einer Querschnittslähmung in jungen Jahren schon im Rollstuhl. 1980 machten sich beide Brüder Gedanken darüber, dass es doch möglich sein muss, für Menschen mit Behinderung Reisen durchzuführen. Reisen dieser Art waren zu dieser Zeit kaum vorstellbar bzw. in die Tat umzusetzen. Aber es gelang trotzdem. Die ersten Touren führten zu Zielen innerhalb von Deutschland und erfreuten sich so großer Beliebtheit, dass der Kundenstamm von Jahr zu Jahr immer größer wurde. Nach und nach wurden die Reiseziele auf Wunsch der Kunden immer ausgedehnter und exotischer. Jetzt aber kamen andere Probleme hinzu. Fluggesellschaften hatten Bedenken beim Transport von Rolli-Fahrern. Doch auch diese Hürde wurde schnell genommen. Mittlerweile sind Reisen in alle Winkel der Welt möglich.

Meine erste Reise 1995 war eine so genannte Schnuppertour durch Frankreich. Und ich war so begeistert vom Ablauf, dass ich mir vornahm, auch in Zukunft dem Reiseunternehmen Grabowski die Treue zu halten und noch viele Touren per Bus, Flugzeug oder Schiff Wirklichkeit werden zu lassen. USA, Hawaii, Neuseeland, Südsee – sind nur einige Beispiele.

Nachfolgend einige Hinweise und persönliche Erfahrungen für die Durchführung und das Gelingen einer Reise, die für Rolli-Fahrer, Gehbehinderte und auch für Menschen mit nur leichten Einschänkungen gelten!

Zuerst verlangt Grabowski persönliche Daten, die in Form eines Fragebogens angegeben werden müssen. Angaben wie “Rolli-Fahrer”, oder “noch gehfähig” sowie “Maße des Rollstuhls” und vieles mehr müssen genau angegeben werden, weil es sonst während der Reise zu Problemen kommen kann.

Am Flughafen hat die Gruppe ein kleines Privileg, indem sie immer als erste das Flugzeug besteigt und am Zielort immer als letzte geht. Das ist mit den Fluggesellschaften so abgesprochen und gewährleistet einen Zeit sparenden Ablauf.

Bei Mitnahme eines E-Rollis auf Flugreisen ist unbedingt darauf zu achten, dass dieser mit Trockenbatterien betrieben wird (z.B. E-fix). Keine Fluggesellschaft nimmt Batterien mit Nasszellen (Gefahr des Auslaufens) mit!

Wichtig! Beispiel: Rollifahrer kann evtl. noch gewisse Strecken laufen, braucht aber für längere Strecken den Rolli – darf sich aber nicht dem Irrglauben hingeben, das schaffe ich schon. Denn sollte er sich dabei überschätzen, kann das bei Ausflügen, wo in der Regel größere Wegstrecken zurückgelegt werden, zum großen Problem werden. Auch hier bietet Grabowski eine Alternative in Form von mitreisenden Helfern/Helferinnen an, die es möglich machen, Rolli-Fahrern ohne eigene Reisebegleitung bei Ausflügen Schiebehilfe zu leisten, was bei der Anmeldung für die Reise unbedingt angegeben werden muss und nicht im Reisepreis enthalten ist.

Ohne diese Helfer/Helferinnen wären diese Reisen nicht zu realisieren. Es sind junge Leute im Alter von 20 – 30 Jahren (meist im Studium), die neue Länder kennen lernen möchten und auch den Kontakt mit Menschen mit Behinderung suchen, um für ihr späteres berufliches Leben wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Ihre Aufgabe besteht darin: Rollstuhl schieben, Hilfe bei An- und Ausziehen, Ein- und Ausstieg in die Badewanne, Türen aushängen und vieles mehr. Bei Menschen mit sehr schwerer Behinderung, die intensive Intimpflege benötigen wie beispielsweise Katheder legen, sollte eine geeignete Begleitperson aus dem eigenen familiären Umfeld mit dabei sein, weil die Helfern/Helferinnen keine pflegerischen Fachkenntnisse besitzen.

Grabowski bemüht sich immer, bei der Planung weitgehend behindertenfreundliche Hotels zu buchen, wo Rollifahrer sich nach Möglichkeit selbständig bewegen können. Es handelt sich in der Regel immer um Hotels der 4 – 5-Sterne-Kategorie, in denen man sehr gut auch vom Platz her – besonders in den Badezimmern – zurechtkommt.

Rollifahrer und ihre Angst auf Reisen bzw. Ausflügen nicht rechtzeitig eine geeignete Toilette zu finden ist groß. Dazu möchte ich einige nützliche und bewährte Tipps geben: Es gibt die Möglichkeit non Kondom-Urinalen für Männer, sowie Stoma-Artikel für Frauen Ð erhältlich in Apotheken. Desweiteren führt Grabowski auf den Reisen immer einen Spezialrollstuhl mit, mit dem es möglich ist, Rollifahrer ohne Gehvermögen zu den Toiletten im Flugzeug zu bringen. Der Stuhl dient auch dazu, dass Rollifahrer problemlos in Bus oder Boot gelangen können, wo dem eigenen Rollstuhl Grenzen gesetzt s

Grabowski legt seine Reisen vom Termin her nie in die heißen Monate des jeweiligen Landes, weil das für MS-Kranke und auch andere Mitreisende nicht von Vorteil wäre. Ich persönlich meide Länder wie Südostasien, in denen das ganze Jahr über hohe Temperaturen und extreme Luftfeuchte präsent sind.

Auch Länder, in denen Malaria, Gelbfieber und andere Tropenkrankheiten vorkommen, bei denen diverse Prophylaxe-Maßnahmen empfohlen oder gar vorgeschrieben werden, meide ich. Impfungen dieser Art sind mit MS nicht kompatibel. Impfung gegen Hepatitis-A ist zu empfehlen: ob man das Risiko eingehen will, muss jeder für sich selbst entscheiden. Informativ bekommt jeder Reisteilnehmer vor Beginn der Tour eine aktuelle Übersicht vom Tropeninstitut mit den Reiseunterlagen ausgehändigt, in der man einsehen kann, welche Risiken in den einzelnen Landesteilen, je nach Reisestil bestehen. (Anmerkung: Es fahren auch Leute ohne Behinderung mit.) Medikamente zur Vorsorge sind keine Kassenleistung und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: andere Länder = andere Ess- und Trinkgewohnheiten. Hohe Priorität hat die Hygiene. “waschen, kochen, schälen oder vergessen” heißt eine wichtige Regel. Kein Leitungswasser zum Zähneputzen, nur Wasser in Flaschen. Für Rollifahrer muss es eine Horrorvorstellung sein, während der Reise an Durchfall zu erkranken und nicht rechtzeitig eine geeignete Toilette zu finden, was in fremden Ländern keine Selbstverständlichkeit ist. Mein bewährter Tipp: Rezeptfreie Medikamente wie Immodium oder Tannacomp gegen Durchfall und Granufink gegen vermehrten Harndrang, mit dem viele Menschen mit MS zu kämpfen haben. Ich dämpfe dieses Problem damit, dass ich das Medikament gegen Spastik für die Zeit der Reise absetze und damit positive Erfahrungen gemacht habe. Man sollte auf jeden Fall vor jeder Reise, die man plant, Rücksprache mit seinem Arzt halten und seine Meinung dazu hören.

Jedem Reiseteilnehmer wird dringend empfohlen, eine Auslands- Reisekrankenversicherung mit Rücktransport im Notfall abzuschießen. Denn wer hier sparen will, dem kann es passieren – wenn der Notfall eintritt und er muss evtl. liegend transportiert werden z.B. in Australien – dass ihn die Kosten dafür finanziell ruinieren. 20 – 30.000 EUR sind da keine Utopie. Banken und Sparkassen bieten dafür eine breite Palette von Versicherungen an. Achtung, auch hier steckt der Teufel im Detail. Manche Assekuranzen schließen Versicherungsleistungen für Chronisch Kranke definitiv aus. Im Zweifel immer nachfragen und es sich schriftlich geben lassen. Auf der sicheren Seite ist man z.B. als ADAC-PLUS-Mitglied oder man schließt die Versicherung bei Grabowski zusammen mit der genau so wichtigen Reiserücktrittsversicherung gleich selbst mit ab. Das ist zwar ein klein wenig teurer, aber man ist auf der sicheren Seite.

Wird für eine Reise die dafür erforderliche Teilnehmerzahl von z.B. 10 Personen nicht erreicht, muss die geplante Tour leider abgesagt werden, weil sich der Aufwand für den Reiseveranstalter nicht rechnet. Es besteht aber die Möglichkeit, an einer anderen Reise, die zeitgleich, evtl. etwas früher oder etwas später stattfindet und Durchführungsgarantie hat teilzunehmen. Das sind aus meiner Erfahrung sehr wichtige Fakten, die einen hohen Stellenwert haben.

Ich glaube als Mensch ohne Behinderung hätte ich nie all diese schönen Ecken dieser Welt gesehen. Alle anfänglichen Unsicherheiten und Bedenken gehören heute der Vergangenheit an. Und mit jeder neuen Reise, die ich plane, erfüllen sich Wünsche und Träume, die ich vor 10 Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

Wir werden noch viel unternehmen! Wir, das sind ich, mein Rollstuhl und meine MS im Handgepäck, werden noch viele Reisen machen und neue Länder kennen lernen. Der Weg ist das Ziel!

Nachtrag:
Es gibt noch andere Reiseveranstalter wie Zellmer oder Holtappels-Reisen, die aber darauf bestehen, dass Menschen mit Körperbehinderung selbst eine geeignete Begleitung mitnehmen, da sie keine Helfer auf ihren Touren dabei haben. Für Alleinreisende bedeutet das aber doppelte Kosten und ist somit kaum zu finanzieren.
Internet: www.grabo-tours.de

(Roland, 50 Jahre / August 2005)

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