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MS – Die Krankheit mit den tausend Gesichtern . Meins ist meist lachend, obwohl auch ich zu kämpfen habe, aber das versuche ich nur mit mir selber auszumachen. Meistenteils sind meine Symptome nicht sichtbar – das Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingerspitzen und Beinen, die ewige Erschöpfung und das ständig Pause machen müssen – . All das merkt keiner, wenn ich es nicht will.

Wenn ich gut drauf bin, komme ich auch mit dem Schwindel und den Gleichgewichtsstörungen zurecht. Aber nicht immer geht es mir gut, dann ist der Gang torkelnd und ich suche an einem Geländer oder an einer Wand Halt für den geraden Weg. Bei meinen Gleichgewichtsstörungen ist die Tür manchmal nicht breit genug, und ich nehme den Türpfosten mit oder bleibe an der Türklinke hängen, was zu schmerzhaften blauen Flecken führt.

Wenn das Torkeln in einem Restaurant, Kneipe oder bei einer Feier passiert, könnt Ihr Euch schon ausmalen, was die anderen, die ja nichts von MS und ihren tausend Gesichtern wissen, denken. Das Schlimme und Belastende für mich ist, dass niemand offen über seine Vermutungen und Fragen spricht, so dass ich immer das Bedürfnis habe, etwas richtig zu stellen und mich (meinen Gang) zu rechtfertigen. – Ich habe inzwischen versucht, damit aufzuhören.

Jemand, der ernsthaft etwas über “die tausend Gesichter” wissen möchte, spricht mich direkt darauf an und bekommt auch Antwort. Das Ansprechen oder Nachfragen wagen aber die wenigsten. Leider! Bei den mitbetroffenen MS’lern habe ich nicht das Bedürfnis mich zu rechtfertigen, denn sie sind Eingeweihte und wissen um die tausend verschiedenen Gesichter. Gegenüber den Nichtbetroffenen und Nichtwissenden versuche ich selbstbewusst aufzutreten und zu meiner MS zu stehen. Manchmal gehe ich meinen Weg mit einem kleinen Ausfallschritt und einem meiner tausend Gesichter.

(Barbara, 49 Jahre / August 2005)

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