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Die tägliche Herausforderung |
Alleine, ohne Hilfe meiner Frau und meines Sohnes (21), käme ich nicht zurecht – das muss auch gesagt werden. Profane Dinge wie Einkaufen oder Wäsche waschen stellen für mich unschaffbare Anstrengungen dar. Und auch sonst ist es sicher nicht immer leicht mit mir, eher im Gegenteil. Meine Frau hat sich ihr Leben bestimmt anders vorgestellt als an der Seite eines Behinderten. Der Haushalt ist nicht vordergründig behindertengerecht eingerichtet, aber unser aller Lebensrhythmus und Lebensumstände werden von mir, von meiner Krankheit bestimmt. Und es gibt auch Dinge, die über Haushälterisches hinausgehen. Dass sie hier an letzter Stelle genannt werden, bedeutet nicht, sie wären am unwichtigsten – im Gegenteil. Zu weltschmerzhaftem Gejammer besteht kein Grund. Ich bin behindert und eingeschränkt, und es wird eher schlechter als besser werden – aber ich kann meine Beine und Hände noch einigermaßen benutzen, ich gehe arbeiten, fahre Auto (nicht behindertengerecht umgebaut, aber eine Automatik). Ein- bis zweimal die Woche hab ich “Krankengymnastik am Gerät”. Und: ich habe eine Familie, die zu mir steht und mich nicht hängen respektive sitzen oder liegen lässt. Multiple Sklerose ist wahrlich kein Lebensglück, aber ich habe dennoch Glück gehabt. Auch, wenn in der Statistik nun auf der Seite mit den weniger gutartigen und beschwerdefreien Verläufen stehe. Meiner Meinung nach sollte sich der / die Betroffene, ob nun erkrankt oder angehörig, über folgendes im Klaren sein: Multiple Sklerose verändert das Leben, aber sie ist nicht der Beginn von dessen Ende. Es kommt darauf an, sich in der neuen Lebenssituation zurechtzufinden und sich mit ihr zu arrangieren, sich nicht ihr auszuliefern oder ihr ausgeliefert zu fühlen.
“Ich habe MS” sollte nicht bedeuten: “Die MS hat mich”.
Nachsatz (Mai 2007):
Ich möchte den Text so nicht unkommentiert, unkorrigiert stehen lassen. Denn seit 04/07 hat sich meine Situation grundlegend geändert. (Wie jetzt, gesund?? - Leider nicht.) Ich leb alleine, hab mich getrennt. Vielleicht unbedacht, aber nicht unüberlegt, schon gar nicht unbegründet. Die Zeit heilt alle Wunder.
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